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Sie betrat die Schule, wie immer wurde sie von allen angestarrt, weil sie „anders“ war. Sie wäre hübscher gewesen, wenn sie mehr aus sich gemacht hätte. Früher war sie eines der beliebtesten Mädchen der Schule gewesen, schön, super gestylt und auf jeder Party zu sehen. Doch das war nicht sie selbst, nur eine Fassade, hinter der sie sich versteckte, um ihr wahres Ich zu verbergen. Niemand vermutete, was sie durchmachen musste, denn alle achteten nur auf Äußerlichkeiten. Alle fragten sich, wie sie zu dem ungepflegten und verschlossenen Mädchen geworden war. Doch sie wollte sich nicht mehr hübsch machen und sich so freizügig geben. Aus Angst, Angst vor dem, was vor einem halben Jahr geschehen war. 

Ihre Mutter war gestorben als Lizzie, so hieß sie, sechs Jahre alt war. 

Lizzie wurde nach der besten Freundin ihrer Mutter benannt, Lizzie McCoy. 

Als Lizzie 14 war, hatte der ganze Terror angefangen, doch noch ließ sie sich nichts anmerken. Sie fand das alte Tagebuch ihrer Mutter, in dem sie beschrieb, wie ihr Mann, Lizzies Vater, sie schlug. Sie fand darin auch alte Fotos, Fotos von ihrer Mutter und ihrer besten Freundin Lizzie. Als sie 15 war, wurde ihr Vater auch ihr gegenüber immer gewalttätiger und fing an sie grundlos zu schlagen. 

Doch das, was ihre Veränderung erst verursachte passierte an einem Samstagabend. Lizzie kam gerade nach Hause, sie war mit ein paar Freundinnen in der Stadt gewesen, als er sie erst einmal mit einer Ohrfeige begrüßte und dann ihren Arm packte. Er packte so feste zu, dass man seine Fingerabdrücke an ihrem Handgelenk sehen konnte. Er zerrte sie ins Schlafzimmer und schubste sie aufs Bett, dann riss er ihr die Klamotten vom Leib und vergewaltigte sie. 

Von da an ging es mit ihr immer weiter bergab. Die meiste Zeit verbrachte sie im Internet und chattete mit Leuten, denen das Gleiche oder Ähnliches passiert war. Dadurch hatte sie eine sehr gute Freundin namens Stephanie gefunden, mit der sie immer reden konnte. Stephanie riet ihr auch zur Polizei zu gehen und genau dies tat Lizzie auch einen Monat nachdem das alles geschehen war. Ihr Vater wurde sofort festgenommen und Lizzie zog in eine Art betreute Wohngemeinschaft. Ausser ihr lebten noch 2 andere Jugendliche dort. Miranda war 14Jahre alt und wurde von ihren Eltern, die beide Alkoholiker waren, regelrecht grün und blau geschlagen. Dann war da noch Peter, dessen Eltern mit der Erziehung überfordert waren, weil er sich von ihnen nichts sagen ließ und anfing Drogen zu nehmen und auch hin und wieder von der Polizei nach Hause gebracht worden war, da er mal wieder gestohlen hatte. Und das alles mit gerade mal 13Jahren. 

Lizzie ging langsam geradeaus, ihr langes Haar wehte ihr ins Gesicht, doch das störte sie nicht. Ihre Bücher trug sie fest an ihren Körper gedrückt und ihr Pullover ging ihr fast bis zu den Knien. Ihre Kontaktlinsen hatte sie längst durch eine Brille eingetauscht und auch ihre blonde Haarfarbe war schon halb herausgewachsen. 

Von allen Seiten sah sie die verachtenden Blicke und sie wusste genau, dass sie gemeint war. 

Diese Blicke waren sie tausend von Messerstichen, die alle gleichzeitig auf sie einstachen, immer wieder. 

Am liebsten wäre sie sofort umgekehrt und hätte sich in ihrem Zimmer verkrochen, doch sie ließ alles über sich ergehen und die Wut stieg immer weiter an. In der Klasse hatte sie einen Einzelplatz, denn freiwillig wollte sich niemand neben sie setzen. Selbst die Lehrer sahen sie an, wie ein Alien oder zumindest wie jemanden, der nicht dorthin gehörte. 

Im Unterricht verhielt sie sich meist ruhig und kritzelte irgendwas auf ihren Block. „Lizzie!“, sagte eine Stimme. Sie klang weit entfernt und wiederholte sich immer wieder in Lizzies Kopf. Wurde sie gerade tatsächlich bei ihrem Namen genannt, und nicht Psycho, wie sie es sonst immer taten? Sie blickte auf, doch das einzige was sie sah, war das verärgerte Gesicht ihres Lehrers. „Du hast da was fallen lassen.“, sagte er und deutete auf ein Stück Papier, das neben ihr auf dem Boden lag. Sie hob es auf und las was darauf stand:ch bin ein PSYCHO!“ 

Sie sah sich ängstlich, beinahe panisch um, doch ihre Panik ging in dem Gelächter ihrer Klasse unter. 

Sie hätte heulen können, aber sie tat es nicht. Sie packte ihre Sachen zusammen und ging so schnell sie konnte aus der Klasse raus. Shit, dachte sie, während sie auf dem Schulhof herumlief und sich dann auf eine Bank setzte. Lizzie holte ihre Zigaretten heraus und rauchte erst einmal eine. Das brauchte sie jetzt. „Und was mach ich jetzt?“, dachte sie. Zurück in den Unterricht wollte sie nicht und jetzt war es ihr auch egal, was die anderen dachten. Sollten sie Lizzie doch für feige halten. Also entschloss sie sich nach Hause zu gehen. Sie ging langsam los und beobachtete beim Gehen die Menschen um sie herum. Sie fühlte sich weit entfernt von alledem, das um sie herum geschah. Es war fast, als würde sie im Kino sitzen und das wäre nur ein Film. So stellte sie sich das Leben oft vor, doch dann musste sie erschreckend feststellen, dass das nur ein Wunschtraum war, der niemals in Erfüllung gehen konnte. 

Sie kam zu Hause an und schloss die Tür auf, ihre Betreuer Petra und Thomas waren gerade nicht da, wahrscheinlich waren sie einkaufen oder so. Lizzie ging die Treppe hoch und dann in ihr Zimmer, was am Ende eines ziemlich langen Ganges lag. Sie schmiss ihre Tasche aufs Bett und machte den Computer an. 

„Hoffentlich ist Steph da.“, dachte sie während der Computer hochfuhr. Dann ging sie ins Internet und loggte sich im Chat ein. Sie hatte Glück, Steph war da. 

Sofort schrieb sie Stephanie an....

Richtig geholfen hatte Stephanie ihr zwar nicht, aber es ging ihr trotzdem irgendwie besser. Sie chattete noch eine Weile weiter und lernte einen interessanten Jungen kennen. Er war 19Jahre alt und hieß Mike und lebte gar nicht mal so weit entfernt von Lizzie. Er erzählte ihr, dass er Waffendealer war und noch einiges mehr. Er fragte Lizzie, ob sie sich mal mit ihm treffen wollte. Lizzie wollte. Sie fand Mike sehr interessant und wollte sich gerne mit ihm treffen. Sie wollten sich direkt am nächsten Tag in einem Park in der Nähe von Lizzie treffen. Sie vereinbarten eine Uhrzeit und schickten sich noch gegenseitig Bilder von sich, damit sie sich auch erkennen würden. 

Lizzie war mit den Gedanken so in den Chat versunken, dass sie gar nicht auf die Uhr gesehen hatte, denn inzwischen war es schon fünf Uhr nachmittags, aber das war ja egal, denn Lizzie hatte sowieso nichts vor und Freunde, mit denen sie sich hätte treffen können, hatte sie nicht mehr. Die einzigen, die sich für sie interessierten waren ihre Chatfreunde und Oliver, ein kleiner dürrer Junge, der Lizzie schon seit der ersten Klasse verfolgte und die Augen nicht von ihr abließ, egal wie beliebt sie war. Manchmal dachte Lizzie, dass er sogar Fotos von ihr machte, wenn sie auf dem Klo saß oder wenn sie wieder einmal voller Verzweiflung sich die Arme aufritzte und weinte und davor hatte sie Angst. 

Lizzie war ziemlich vertieft in ihren Chat und mehrere Internetseiten, als es an der Tür klopfte. Es war Petra. „Lizzie!“, rief sie. Sie hörte nicht. „LIZZIE!!!“, rief sie noch einmal, diesmal lauter. „Was ist denn los?“, antwortete Lizzie ohne sich umzudrehen. „Wo warst du heute morgen?“, fragte Petra mit einer ziemlich säuerlichen Stimme. Lizzie verdrehte die Augen. „In der Schule, wo sonst?“ „Ach ja? Wieso hab ich dann gerade einen Anruf von deinem Lehrer bekommen, dass du wiederholt im Unterricht gefehlt hast?“, sagte sie wütend. „Kann dir doch egal sein.“, sagte Lizzie und wurde auch langsam etwas lauter. „Lizzie, ich habe die Verantwortung für dich.“ Lizzie wurde wütend. Die beinahe fremde Frau versuchte ihr zu sagen, was sie tun soll. Das sah sie ganz und gar nicht ein. „Du bist nicht meine Mutter!“, schrie sie und stürmte aus dem Zimmer. „Lizzie! Warte doch!“ Petra sah ihr verzweifelt hinterher. „Was soll ich noch mit dem Kind machen?“, dachte sie. 

Lizzie lief nach draussen, inzwischen war es schon dunkel. Sie lief durch den Park, in dem sie sich morgen mit Mike treffen würde, an der Schule vorbei, die sie so hasste. Sie lief weiter, sie kam an dem Club vorbei, in dem sie früher jeden Freitagabend mit ihren Freundinnen tanzte und mit den Jungs flirtete und an dem Haus ihrer damaligen besten Freundin, mit der sie soviel erlebt hatte und die jetzt nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte. Sie ging weiter, ohne ein wirkliches Ziel. Nach einer Weile war sie in der Straße, in der ihr damaliger Freund lebte. Er war immer so lieb gewesen und war ziemlich schnell eifersüchtig geworden, weil Lizzie so beliebt gewesen war. Manchmal, wenn Lizzie so darüber nachdachte, vermisste sie schon ihr altes Leben als Schönheit und Beliebtheit, doch der Preis den sie dafür zahlen musste, war ihr zu teuer. 

Sie hatte sich verstellt, um bei den anderen anzukommen und dafür könnte sie sich manchmal selbst schlagen. 

Gegen ein Uhr morgens entschloss sie sich nach Hause zu gehen. Die anderen waren schon am schlafen und deshalb versuchte sie besonders leise zu sein, um niemanden zu wecken. Sie ging in ihr Zimmer und guckte noch einmal ihre Emails nach, es war aber nichts Wichtiges angekommen. Dann zog sie sich um und legte sich ins Bett. Noch lange dachte Lizzie nach, über das Leben, besonders über ihr eigenes und was sie damit anfangen wollte.... 

Am nächsten Tag ging sie mal wieder nicht zur Schule, sie ging zwar pünktlich aus dem Haus, ging aber zunächst in die Bäckerei und kaufte sich ein Käsebrötchen und einen Kakao. Sie frühstückte erst einmal und dann ging sie ein bisschen spazieren, wie immer wenn sie keine Lust auf die Schule hatte. Sie konnte dieses ständige Gerede nicht mehr ertragen. Es konnte den Leuten doch scheißegal sein, wie sie herumlief oder wie sie sich benahm, aber so war das nun mal. Entweder man war beliebt und hatte eine Menge Freunde, ob sie dich nun wirklich mochten oder sich nur mit dir abgaben, weil du nun mal gerade „in“ warst, war eine ganz andere Frage. Dass es bei ihr so heftig war und sie wirklich von allen ihren alten „Freunden“ im Stich gelassen wurde, hätte Lizzie nie erwartet. Im Großen und Ganzen war das Ganze doch nur ein ziemlich primitiver Kampf ums überleben, den man nicht gewinnen konnte, ausser man wollte keinen Krieg riskieren, den man eigentlich kaum umgehen konnte und Lizzies Veränderung trug ihren Teil dazu bei und diese Veränderung teilte die „Nation“. Die einen scherten sich nicht darum, andere dachten sich ihren Teil darüber und andere wiederum gaben ihre Meinung lautstark in die Öffentlichkeit. Das waren die Menschen, die Lizzie das Leben zur Hölle machten, die Menschen, die ihr Zettel an den Rücken steckten, sie mit Kommentaren wie „Früher hast du auch schon mal besser ausgesehen“ belästigten oder ihr einfach Dinge an den Kopf warfen, die gar nicht stimmten. „Doch damit wird es bald vorbei sein!“, sagte sie zu sich selbst. 

Gegen zwei Uhr ging Lizzie nach Hause, ging wortlos an ihren Betreuern vorbei und ging in ihr Zimmer. Um drei wollte sie sich mit Mike treffen. Sie war schon ganz aufgeregt, kämmte ihre Haare und schminkte sich, was sie sonst fast gar nicht mehr tat. Ihre Mitbewohner Miranda und Peter fragten sie, was denn mit ihr los sei und auf ihre Antwort, dass sie gleich eine Verabredung habe, wechselten sie nur perplexe Blicke. 

Gegen viertel vor drei verließ Lizzie das Haus und ging Richtung Park. Sie war ziemlich aufgeregt und gespannt auf Mike, sein Aussehen, seine Art, einfach alles. Als sie an der besagten Bank ankam, an der sie sich treffen wollten, war er schon da, groß, sportliche Figur und dunkle Haare, genau wie auf dem Foto. 

Nachdem sie sich begrüßt und über Hobbies und so etwas geredet hatten, sah Lizzie ihn ernst an. „Sag mal....“, fing sie an. „Ja?“, sagte er und sah sie fragend an. „Kannst du mir `ne Waffe besorgen?“ Er lachte. „Wofür brauchst du bitte eine Waffe?“, fragte er grinsend. Sie zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht, aber so etwas kann man doch immer gebrauchen, oder?“ Das Grinsen in seinem Gesicht verschwand und er seufzte. 

„Rück schon raus mit der Sprache, was hast du vor?“, sagte er misstrauisch. „Nichts! Ehrlich nicht!“, sagte sie sehr glaubwürdig. Er musste ihr einfach glauben, sie hatte früher Theater gespielt und konnte sich so sehr gut verstellen, was ihr oft ein Vorteil war. „Na gut.“, sagte er. „Ich wollte ja nur testen, ob du nicht doch irgendwelche Dummheiten damit machen willst.“ Sie lächelte dankend. „Und wann kann ich die haben? Heute noch?“ Er sah sie an und zog eine Augenbraue hoch. „Heute? Wenn du heute Nacht noch rauskannst, geht das klar.“ „Heute Nacht? Sicher kann ich da raus. Wie spät und wo?“, sagte sie und versuchte ihre Begeisterung zu unterdrücken. Er atmete lautstark aus und dachte kurz nach. „Um...zwei Uhr hier?“, fragte er schließlich. Sie nickte und sah auf die Uhr. Es war kurz vor fünf, vor fünfzehn Minuten wollte sie sich mit Stephanie im Chat treffen. Sie verabschiedete sich von Mike und ging so schnell sie konnte nach Hause, rannte in ihr Zimmer und fuhr sofort den PC hoch. Sie hatte Glück, Stephanie war noch da.

Lizzie chattete noch eine Weile weiter, um die Zeit schneller herumzukriegen. Dann war es endlich viertel vor zwei. Sie zog sich ihre Jacke über und kletterte aus dem Fenster, sprang auf das Dach der Garage, die neben dem Haus stand und sprang dann herunter. Sie sah sich um. Hatte sie auch niemand gesehen? Es sah nicht danach aus, dass auf einmal ein Licht angehen würde und sie reingeschickt werden würde. Sie ging wieder einmal Richtung Park, zum dritten Mal an diesem Tag. Um kurz nach zwei kam sie an der Bank an, Mike war auch schon da, er hatte eine Plastiktüte in der Hand, in der sich wahrscheinlich die Knarre befand. Lizzie ging langsam auf ihn zu und umarmte ihn dann. „Danke! Du bist ein Schatz!“, hauchte sie in sein Ohr. Er lächelte. „Ist doch kein Problem.“ „Was kriegst du jetzt von mir?“, fragte sie und holte ihr Portemonnaie heraus. „Hey, steck das weg! Ich will kein Geld von dir.“, sagte er fast befehlend. „Äh, okay, wenn du das meinst.“, sagte sie und sah ihn verdutzt an. „Ja, meine ich.“, flüsterte er und sah Lizzie tief in die Augen. Sie sah zurück in seine Augen. „Ich denke....“, sagte sie leise, doch sie konnte ihren Satz nicht beenden, da Mike seinen Finger auf ihre Lippen legte. „Nicht denken, nur fühlen.“, flüsterte er und küsste sie zärtlich. Lizzie erwiderte den Kuss zwar, drückte ihn dann aber weg. „Tut mir Leid, aber ich will das nicht. Ich muss jetzt gehen.“ Er nickte und sah sie verständnisvoll an. „Tut mir Leid, sehen wir uns noch mal?“, fragte er. Lizzie sah kurz zum Boden und überlegte kurz und sah ihn dann stirnrunzelnd an. „Ja“, sagte sie. „Wir sehen uns bestimmt noch mal wieder.“ 

Dann drehte sie sich um, um zu gehen, ging ein paar Schritte, drehte sich noch einmal zu ihm, winkte kurz und verschwand dann in der Dunkelheit. 

Als sie am nächsten Morgen aufwachte, war Lizzie fest entschlossen diesmal in die Schule zu gehen und diesmal würde sie sich nichts gefallen lassen. Ausser einem Block und ein paar Stiften, packte sie nur ihre neue Pistole ein. Sie war so schön silbern und glänzte im Licht, Lizzie hatte sie gut sauber gemacht. Sie wollte ja nicht, dass irgendwelche anderen Fingerabdrücke draufwaren. Um viertel vor acht ging sie zu hause los. 

Gegen kurz vor acht war sie an der Schule angekommen, ging in die Klasse und setzte sich wortlos auf ihren Platz – wie immer. Die anderen kamen in die Klasse und gaben einen dummen Kommentar ab – wie immer. Der Lehrer kam herein, musterte die Klasse und warf Lizzie einen verachtenden Blick zu – wie immer. Doch eines war nicht wie immer, die Knarre in Lizzies Tasche, die auf dem Tisch lag, direkt vor Lizzies Nase. Sie konnte also sofort, wenn ihr jemand quer kam in die Tasche greifen und dem ein Ende setzen. „Hey Psycho, hast du deine Hausaufgaben denn auch gemacht oder gibt es das auf deinem Planeten nicht?“, rief Tim, einer aus Lizzies Klasse. Alle lachten, sogar der Lehrer. „Halt deinen Mund!“, murmelte Lizzie. „Ach ja? Und was willst du tun, wenn ich das nicht tue?“, antwortete er. Alle lachten. Das war der Augenblick, den Lizzie schon so lange sehnsüchtig erwartet hatte. Sie zückte die Pistole und richtete sie auf Tim. „Weil ich dich sonst erschießen werde!“, sagte sie wütend. „Hey hey, ganz ruhig. Ich nehme es ja zurück, aber nimm das Ding da runter.“, wisperte Tim ängstlich. „Ach, hat der starke Junge auf einmal Angst? Angst vor dem Psycho, der sowieso nichts bewirken kann? Ist ja merkwürdig...“, sagte sie leise und angsteinflößend und erschoss ihn. Alle sahen ängstlich zu ihr, dicht an eine Wand gedrängt, ganz in der Nähe des Lehrers. „Jetzt hört mir mal alle zu“, sagte sie lauter und an die ganze Klasse gerichtet. „Ihr bleibt alle hier drin, sonst gibt es Ärger!“, sie nahm die Pistole nicht herunter, ging zum Lehrer hin und nahm ihm seinen Schlüssel weg, ging rückwärts aus der Klasse heraus und schloss die Tür ab. Aus einigen Klassen wurden Köpfe herausgestreckt, um nachzusehen, was geschehen war und diesen ganzen Lärm verursachte. Ein paar Schüler, die Lizzie immer fertiggemacht hatten, kamen auf den Gang und ließen ein paar dumme Sprüche ab, mit denen Lizzie nur mit einem Schuss antwortete, ob sie nun traf oder nicht. Während sie das tat, kam eine Lehrerin und hinter ihr die ganze Klasse. Blitzschnell drehte Lizzie sich zu der Klasse und blickte zu ihnen. „Keinen Schritt näher oder ich schieße!“, rief sie und man konnte die Wut und die Angst in ihrer Stimme hören. „Lizzie, hör auf. Bitte!“, sagte Mrs McCoy, die Lehrerin der Klasse. „Woher wissen sie meinen Namen?“, fauchte Lizzie und schoss gegen eine Wand, die Kugel streifte den Arm eines Jungen, den Lizzie nicht kannte, doch sie kümmerte sich nicht darum. „Weil es auch mein Name ist, Lizzie.“, sagte Mrs McCoy mit ihrer sanften und beruhigenden Stimme. „Na und? Hat das etwas mit mir zu tun?“ Sie wandte die Pistole nicht von ihr ab. „Lass es mich erklären, Lizzie...“, sagte die Lehrerin mit einem leicht flehenden Unterton. „Was soll ich Sie erklären lassen?“, blaffte Lizzie. „Den Tod deiner Mutter...“, antwortete Mrs McCoy und Lizzie wurde jetzt erst klar, wer Mrs McCoy war, es war Lizzie McCoy, die beste Freundin ihrer Mutter. „Was?“, stammelte Lizzie und die Tränen schossen ihr in die Augen. „Sie sind doch nicht etwa...?“ Sie konnte den Satz nicht zu Ende bringen, sie ließ sich auf die Knie fallen, ließ die Pistole sinken und starrte ins Leere. Sie wusste nicht mehr, was sie denken, geschweige denn was sie tun sollte. Sie war verwirrt, sie hatte Angst, Angst vor dem, was kommen würde oder auch nicht kommen würde. Am liebsten würde sie jetzt aussteigen, einfach sagen „Ja, das war’s jetzt.“ Und nach Hause gehen. Mrs McCoy ging einen Schritt auf sie zu. „Keinen Schritt näher oder ich schieße!“, wiederholte Lizzie. „Aber Lizzie....“, sagte Mrs McCoy beinahe fassungslos. Lizzie erhob sich und nahm die Pistole wieder hoch. Sie sah zu Mrs McCoy, in ihren Augen war ein Ausdruck von Verzweiflung, Angst und Ahnungslosigkeit. „Nicht „aber Lizzie“, meine Mutter ist tot, okay? Sie waren vielleicht ihre beste Freundin, aber Sie haben mir nichts zu sagen! Stellen sie sich dahin!“, sie deutete mit der Pistole auf eine Wand und Mrs McCoy tat wie ihr geheißen war. „Hey da ist der Psycho!“, rief jemand am Ende des Ganges. Lizzie drehte sich um, sie zögerte nicht eine Sekunde und erschoss ihn. „Ja, und der Psycho hat 'ne Knarre!“, sagte sie entschlossen. Die Klasse, die dicht an die Wand gedrängt stand, sah ängstlich zu Lizzie. Lizzie musterte die Klasse, als würde sie sich gerade jemanden aussuchen, der als nächstes an der Reihe war. Doch das tat sie nicht, in ihrem Kopf gingen ganz andere Sachen vor. „Lizzie McCoy?“, sagte sie leise. Mrs McCoy sah auf „Ja Lizzie?“ Lizzies Augen füllten sich mit Tränen, als sie sich die Pistole an die Schläfe hielt. 

„Ich sag meiner Mutter einen lieben Gruß von Ihnen, ja?“


by Sandy

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