Herzenssache


Die 17-jährige Mia ist ein aufgestelltes und liebenswürdiges Mädchen. Mit ihren Eltern und dem kleinen Bruder Silvan wohnt sie in der Nähe von Bern. Ihren Freund Lucas lernte sie bereits in der Primarschule kennen und diebeiden sind seitdem unzertrennlich.
Bevor sie sich anfreundeten, war sie eher schüchtern und in sich gekehrt. Er wurde von Anfang an von Mias Familie akzeptiert und ist, für Silvan wie ein grosser Bruder. Lucas Eltern kamen in seiner frühen Kindheit bei einem tragischen Autounfallum. Aus diesem Grund wuchs er in einem Kinderheim auf. Es war für ihn nichtimmer leicht, aber als er in die Primarschule kam, veränderte sich durch Miasein Leben. Er bekam von seinen Heimleitern mehr Freizeit, um die Familie, die ihm so viel Kraft gab, zu besuchen. Mias Eltern unterstützen ihn wo sie nur konnten.
Eines Tages brachten die Eltern den Vorschlag, den Tierpark Dählhölzli in Bern zu besuchen. Gleich am nächsten Morgen wurden die Kinder von ihren Eltern Leana und Peter geweckt. Erst frühstückten sie ausgiebig, packten ihre Sachen und holten Silvan vom Heim ab. Die Stimmung war ausgelassen, denn für Lucas war es der erste richtigeAusflug zusammen mit einer Familie, bei der er sich geborgen fühlt.
Zuerst kundschafteten sie die Raubtiergehege aus, so dass Lucas und Miaschlussendlich alleine herumschlendern konnten. Kaum waren die Eltern aus dem Blickfeld, zog Lukas schon die erste Zigaretteaus seiner Jackentasche. Mias Eltern wussten nichts von seinem Laster. Undwenn sie es wüssten, wären sie bestimmt nicht begeistert.>br>Sie genossen die warme Sonne und die Zweisamkeit, da Silvan sonst meistensihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Nach einer Weile herumgehen blieben sie schlussendlich eng umschlungenbeim Biotop stehen.
Mia wurde plötzlich kreidebleich und sackte zusammen, Lucas konnte siegerade noch halbwegs halten. Er war verzweifelt und wusste nicht, wie mitdieser Situation umzugehen. Er zog sein Hemd aus, tränkte es im kühlen Wasser und legte es ihr in den Nacken, um sie zu kühlen.
Nach einer Weile öffnete sie ihre Augen und versuchte zu begreifen, waspassiert war. Sie holten sich zuerst eine Erfrischung und gingen dann langsam zurück zu Mias Eltern. Die Eltern fragten natürlich, was los sei, da so eine bedrückte Stimmung herrschte. Mia meinte aber nur, dass sie etwas müde sei und ihr etwas schlecht war. Sie verheimlichte die Ohnmacht. Lucas wollte Mia die Gelegenheit geben, es selbst zu sagen, doch es kam erst gar nicht dazu. Sie gingen noch zusammen essen und als es dämmerte, fuhren sie heim.Zu Lucas Glück war es Wochenende und er durfte bei Mia übernachten.
Am nächsten Morgen wunderten sich die Eltern, dass nur Lucas amFrühstückstisch sass und Mia noch im Bett war. Da sich Lucas nicht rausredenkonnte, erzählte er ihnen, was am Vortag wirklich geschehen war. Leana wurde bleich vor Schreck und auf Peters Stirn bildeten sichSchweisströpfchen. Nun bemerkte Lucas, dass Mias Eltern ihm etwasverheimlichten.
Wie sich herausstellte, nicht nur ihm, sondern auch dem Rest der Familie. Nun sahen sie der Wahrheit ins Gesicht. Leana erzählte, dass Mias Herz von Geburt an zu gross für die Körperregulation war. Doch sie hätten nie damit gerechnet, dass die Anfälle schon in diesem Alter auftreten könnten.
Lucas, tieftraurig, fragte Leana, wieso sie das nicht schon früher gesagt hätten. Doch Peter meinte, dass sie Mia nichts von ihrer Kindheit vorenthalten und keine unnötige Angst verbreiten wollten. Ausserdem gab es damals noch nicht die fortgeschrittene Technik, um ein junges Herz zu transplantieren.
Die nächsten Tage verbrachte Mia im Inselspital Bern und musste sich zahlreichen Tests unterziehen. Sie konnte das alles nicht verstehen, sie wusste nicht, was los war. Ihre Mutter sagte ihr, dass es nur einige Gesundheitschecks seien, um herauszufinden, was ihr fehle. Nach drei Tagen wurde sie entlassen. Natürlich wollte sie sofort etwas mitLucas unternehmen, doch er meinte nur, dass er einen Termin mit dem Heimleiter hätte und sie später anrufen würde. Sie akzeptierte es undunternahm dann etwas mit Silvan. Die beiden spielten im Stadtpark Verstecken. Silvan zählte und Mia rannte los. Als die Zahl 50 ertönte, begann ihr Bruder sie zu suchen.
Als er nach einer Weile das Suchen schon fast aufgegeben hatte, stolperte er über ein Bein. Bei genauerem Hinsehen bemerkte der Kleine, dass vor ihm seine Schwester lag. Der 8-jährige Junge erschrak, als er Mia reglos am Boden liegen sah. Er beugte sich über ihr Gesicht und sie öffnete bereits wieder ihre Augen. Mia brach in Tränen aus, denn sie bemerkte, dass es doch etwas Ernstes sein musste. Silvan versuchte, sie zu trösten und ging mit ihr nach Hause.
Immer noch erschöpft legte sie sich schlafen.
Am Abend sassen wieder alle ausser Mia zusammen am Tisch und assen. Nun erfuhren die Eltern von Silvan, dass schon wieder ein Schwächeanfall vorgefallen war. Lucas bereitete Mia ein schönes Tablett mit ihrem Lieblingsessen und brachte es ihr ins Zimmer. Sie stand, eingekuschelt in ihre Bettdecke, am Fenster und starrte abwesend heraus. Lucas wusste nicht, wie er Mia ansprechen sollte, doch sie bemerkte ihn und sprach, dass sie Angst habe, zu sterben. Darauf erwiderte er, dass ihm nie im Leben einfallen würde, sie zu verlassen und er für immer bei ihr bleiben werde. Er hätte noch viel mehr Angst, sie zu verlieren. So legten sie sich gemeinsam ins Bett und schliefen mit tränenden Augen ein.
Als sie erwachte, lag sie in einem weissen Bett, von Lucas keine Spur. Um sieherum stand ihre Familie und die Mutter hielt Mias Hand. Plötzlich trat derbetreuende Arzt Dr. Deets mit Peter ins Zimmer. Nun erfuhr auch Mia, was mitihr los war und noch geschehen wird. Silvan setzte sich auf den Bettrand undumarmte weinend seine Schwester. Mia hätte am liebsten all ihren Gefühlenfreien Lauf gelassen, doch noch lieber hätte sie es, wenn Lucas bei ihr seinwürde. Sie erkundigte sich aufgeregt, wo Lucas sei, aber keiner konnte ihr eine Antwort geben.
Als Mia sich beruhigte, trat Dr. Deets an ihr Bett. Sie erfuhr von derbevorstehenden Herztransplantation, dass vor kurzer Zeit gerade ein Herzeingeliefert wurde und dass ihre Chancen gut stünden. Sie war starr vorSchreck, aber sah ein, dass dies ein unvermeidlicher Schritt war.
Mia bekam von einer Krankenschwester die Narkose verabreicht und wurde inden OP gebracht. Sie hatte gerade noch Zeit, sich von ihrer Familie zuverabschieden und hinterliess einen Gruss für Lucas.Zwei Tage vergingen, als Mia die Augen wieder öffnete und vor sich ihreFamilie sah.
Von Lucas fehlte immer noch jegliche Spur, bis der Arzt wieder zu ihr herantrat und ihr erklärte. dass sie nun das Herz ihres Freundes in sich trage.

by Nymphetamine

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